Luisa Sole, Fotografin

Luisa_Daheim
Luisa mit einem ihrer Schätzchen, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
„Wenn es Leidenschaft ist, fühlt es sich nicht an wie Arbeit“

Mitten im Gründerzeitviertel, in unmittelbarer Nähe des Café Kontor, leben Luisa Sole und André Sole Bergers. Vor gut zwei Jahren habe ich zusammen mit meinem damaligen Herzensmann in der Vorgänger-Wohnung der beiden musiziert. Damals stand MG Kitchen TV auf dem Plan. Heute bin ich hier, um Luisa zu interviewen. Sie begrüßt mich mit einer Umarmung und den Worten „Es ist ein bisschen unordentlich.“ Das fällt überhaupt nicht auf – ihr Auge für Inneneinrichtung und Schönes dafür einmal mehr. Die helle Küche und die Bühne für den Kitchen TV-Kanal liegen sich direkt gegenüber. Dazwischen blitzen liebevolle Details hervor: Ein „Cucina“-Schild ziert den Türrahmen, schwarz-weiße, putzige Zuckerdöschen stehen auf dem Tisch, eine Fotowand zeigt lachende Gesichter. Neben dem Rock’n’Roll heißt es für Luisa oftmals – innehalten. Die Zahnarzthelferin und Küchenmusik-Gastgeberin hat sich inzwischen als Fotografin einen Namen gemacht. Lulugraphie heißt ihr Label, nach ihrem Spitznamen Lulu. Wir nehmen am Küchentisch Platz. Luisa gießt mir Wasser ein und fragt zögerlich, ob sie sich eine Zigarette anzünden dürfe. Sie ist etwas nervös, trägt ihre Haare hochgesteckt und hat sich dramatisch schön geschminkt. „Wenn ich den ganzen Tag am PC sitze, brauche ich das manchmal“, sagt sie und atmet bedächtig den Rauch aus.

Zu Gast in der Cucina
Zu Gast in der Cucina, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
„Wer eine Spiegelreflexkamera hat, kann schöne Bilder machen?“

Als erstes interessiert mich, wie die Mönchengladbacherin das alles unter einen Hut bekommt. Sie antwortet entschlossen: „Man sagt, wenn es Leidenschaft ist, fühlt es sich nicht an wie Arbeit.“ Die Halb-Italienerin erklärt weiter: „Andere gucken abends Fernsehen, ich sitze am PC und mache Bilder fertig.“ Acht Hochzeiten hat Luisa von März bis September als Fotografin begleitet, außerdem hielt und hält sie Junggesellinnen und Familien auf ihren charakteristischen Bildern fest. Neben dem Vollzeit-Job als Zahnarzthelferin, wohlgemerkt. MG Kitchen TV drehen die Sole Bergers außerdem einmal im Monat. Den Anstoß für ihre größte Leidenschaft gab ihre eigene Hochzeit vor vier Jahren. Damals engagierte sie eine Freundin für die Fotos: „Ich dachte damals: Wer eine Spiegelreflexkamera hat, kann schöne Bilder machen. Wir haben auch ein paar schöne Fotos. Aber eine runde Geschichte, die haben wir nicht.“

Foto: Lulugraphie/Luisa Sole
Foto: Lulugraphie/Luisa Sole
Eine Braut ist immer schön. Selbst im Kartoffelsack“

Auf der Hochzeit eines befreundeten Paares kam deshalb erstmals ihre neue Nikon-Kamera zum Einsatz. Die Resonanz im Anschluss war groß, die Freunde füllten gleich ein ganzes Bilderbuch mit Luisas Momentaufnahmen. Die ersten Kniffe zeigte ihr eine Freundin. Aber den Großteil dessen, was Luisa heute an der Kamera kann, brachte sie sich selbst bei. Undenkbar, bemerke ich, dass sie und ich vor gut zwei Jahren gemeinsam an einem Foto-Anfängerkurs teilgenommen haben. Die 31-Jährige winkt ab und lächelt: „Ich habe mich immer etwas bescheidener eingeschätzt. Der Fotokurs war aber nicht schlimm. Sondern einfach die Bestätigung, dass ich die Sachen bis dahin richtig gemacht habe.“ Auch heute gibt es bei der Sole’schen Fotografie keine halben Sachen. Bei Hochzeiten trägt sie zwei Kameras am Körper, zwei hat sie im Auto. Außerdem bringt sie stets Reserve-Speicherkarten mit. Wer nun meint, Luisa sei vor lauter Fotografie inzwischen gegen den Hochzeitszauber immun, irrt: „Oft muss ich weinen und verstecke mich hinter der Kamera.“ Diese Empathie zeigt sich auch in Luisas Bildern. Angetan hat es ihr vor allem eine der beiden Hauptpersonen des großen Tages. Die 31-Jährige ist sich sicher: „Eine Braut ist immer schön. Selbst im Kartoffelsack.“ Wer Luisas Fotos kennt, weiß, auch ein Kartoffelsack täte ihrer fein beobachteten Momentaufnahme keinen Abbruch. Sanft und verträumt wirken die Abbildungen unterschiedlichster, immer gut aussehender Menschen. Ihre Linie beschreibt Luisa folgendermaßen: „Fotos bearbeite ich immer so, dass sie älter wirken. Weil ich das so schön finde. Das hat etwas mit Vergangenheit zu tun. Ein Bild muss gar nicht so realistisch aussehen.“

Luisas Eltern. Foto: Lulugraphie/Luisa Sole
Der beste Pizzabäcker der Stadt und seine Karrierefrau: Luisas Eltern. Foto: Luisa Sole/Lulugraphie
„Mit mir im Reinen“

Apropos Vergangenheit: Seit sie ein Baby ist, wohnt Luisa in Mönchengladbach. „Ich hatte immer das Bedürfnis, hier zu sein“, sagt sie. Ihre Lieblingsorte in der Vitusstadt nennt sie prompt: „Zu Hause, bei Oma, bei Mama, auf der Terrasse und im Zorbas. Das Zorbas ist wie ein zweites Zuhause.“ Neben den Freunden im Gründerzeitviertel spielt auch die Familie eine große Rolle im Leben der Tausendsassa-Frau. Ihr Vater war früher, wie sie erzählt „der beste Pizzabäcker der Stadt“, ist Perfektionist und Ästhet („Das habe ich vererbt bekommen“). Ihre Mutter sei auf ihre Art eine Karrierefrau. „Eine gute Mutter“, fügt sie hinzu. Obwohl oder gerade weil die sechsköpfige Familie Sole nie viel Geld zur Verfügung hatte, war die Stimmung stets positiv: „Wir waren dadurch sehr kreativ. Manchmal macht es auch Spaß, nicht so viel zu haben. Dann kommt man auf lustige Ideen.“ Unterstützung, Kreativität und Liebe standen an erster Stelle. Positiv ist Luisa bis heute, ihre Talente machen nicht nur ihr selbst, sondern auch allen anderen Spaß. Beim Zuhören geht einem das Herz auf. Kein Wunder, dass Luisas herzliche Art ihr Türen spielerisch öffnet. Außerdem unterstützt sie Ehemann André. Nach Zukunftswünschen gefragt, antwortet Luisa bescheiden: „Eigentlich finde ich mein Leben momentan perfekt. Ich war noch nie so mit allem im Reinen wie jetzt. Ob es Freunde sind, oder beruflich oder mit mir selbst. Ich hab die Balance.“ Schöner kann ein Gespräch nicht laufen. In diesem Sinne: Auf die Leidenschaft(en)!

Wer mehr von Luisas herrlichen Bildern sehen möchte, klickt hier.

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Veröffentlicht in Stadt

9 Gedanken zu “Luisa Sole, Fotografin

  1. Wie wunderschön geschrieben. Und eine Liebeserklärung an Lulu. Dafür wird es schon lange Zeit 🙂
    Freue mich darauf noch mehr wundervolle Menschen aus Mönchengladbach kennenzulernen. Alles Liebe ♡

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe anjabirkner, ganz lieben Dank für dieses große Lob! Ich freu mich sehr! Und ja,
    Lulu hat es absolut verdient, mit einer Liebeserklärung vorgestellt zu werden. Ich bin schon lange ihr Fan! 🙂
    Danke dir, auf bald und herzliche Grüße! ❤

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