Diandra Mona Böning, Bloggerin, Mentorin, Freigeist

Diandra_Instagram
Diandra im Café, Foto: menscheningladbach / Nadine Beneke

„Die schönste Ecke von Gladbach“

Als ich um die Ecke biege und das Café erreiche, sehe ich Diandra schon von Weitem. Sie trägt eine Lederjacke und einen Rock, ihre roten Haare leuchten warm im Tageslicht. Normalerweise, so erzählt sie mir, kommt sie mit ihrer besten Freundin ins Café. Wir setzen uns an den ihr vertrauten Stammplatz rechts vom Eingang und bestellen zwei Latte Macchiato. Diandra holt tief Luft und sagt, wie aufgeregt sie ist. Ihre blauen Augen strahlen. Die Nervosität ist vollkommen unnötig: Als die 27-Jährige Anfang April einen Beitrag zum Thema Feminismus auf ihrem Blog aussergewoertlich veröffentlicht, bin ich sofort Fan. Einerseits beeindruckt mich der Mut, dieses komplexe und wichtige Thema anzustoßen. Andererseits finde ich ihre ehrliche und tiefe Art zu schreiben toll. Persönlich kenne ich sie bis dahin nur von der Musik. 2013 haben wir zusammen in der Holter Kirche gesungen. Doch zunächst zu Diandras Wurzeln. Auf die Frage, wie lange sie schon in Gladbach wohnt, sagt sie: „Schon immer.“ Über Lürrip, Eicken und Pesch kommt sie vor knapp zweieinhalb Jahren an den Wasserturm. Dort wohnt sie seitdem zusammen mit ihrem Freund: „Ich hoffe, dass ich da noch lange bleiben werde. Das ist die schönste Ecke von Gladbach.“ Auch Udo ist für die junge Frau eine beliebte Anlaufstelle: „Das Sandrad ist einer der wenigen Orte in der Stadt, wo das Publikum so gemischt ist. Wo es egal ist, wie alt du bist und was du für Musik hörst. Du findest da so geile Platten und triffst Leute, die du sonst im Leben nicht triffst. Das mag ich sehr.“

„Texte im Kopf“

Ihren Blog schreibt sie zunächst nur für sich selbst, wie sie erzählt: „Jeder hat eine Sehnsucht, dunkle Sachen rauszulassen. In dem Moment, in dem du schreibst, bist du mit dir alleine. Du hast keine Augen, die dich angucken. Du hast nicht das Gefühl, dich bremsen zu müssen.“ Schnell sind wir uns einig, dass Schreiben eine Art von „Nackt-Sein“ ist. Weil man seine persönlichen Beobachtungen mit der Welt teilt, das Innerste nach außen kehrt. Klingt philosophisch, ist es auch. Zwischendurch müssen wir lachen, weil wir immer wieder abschweifen und froh sind, das schräge Erlebnis des Schreibens teilen zu können. Diandra lässt sich Zeit mit den Antworten, überlegt und bemerkt: „Das ist meine Art, Leuten zu zeigen, wie ich Sachen sehe. Eine Freundin hat mir gesagt, ich würde auf Sachen achten, die ihr nie auffallen würden. Da habe ich gedacht: Schön, dass ich es ihr erzählen kann.“ Dabei geht es um einen Raben, Neid, Edith Piafs „Je ne regrette rien“ oder um die wiederentdeckte Liebe zum Singen. Sehr persönlich gestaltet Diandra ihre Beiträge, die zum Nachdenken anregen und das Leben mit einem etwas wärmeren Licht beleuchten. Die Themen sucht die junge Frau deshalb auch nicht auf klassische Weise aus, sie passieren ihr einfach. Unterwegs fallen Diandra Dinge auf, die berühren – und prompt hat sie „Texte im Kopf“. Gelassen sagt sie: „Das ist so ein Selbstläufer.“ Dazu gehört auch, dass fest vorgenommene Inhalte nicht unbedingt ein Thema bleiben: „Ich wollte letztens über Loyalität schreiben, weil es mir auf der Seele brannte. Ich fand die Idee davon so toll, hatte aber überhaupt keine Gedanken dazu. Dann hab‘ ich es gelassen.“

Akustik Session im Blauen Haus
Akustik Session im Blauen Haus, Foto: N.E.B. Fotografie & Bildbearbeitung

„Meine Jam Session ist das Wohnzimmer“

Angefangen, ihre Texte öffentlich zu machen, hat die ausgebildete Mentorin für Soziales und Gesundheitswesen 2012 bei nachtaktiv. Dort las sie eine Kurzgeschichte über eine Disconacht vor. Das positive Feedback motivierte sie, weiterzumachen. Überhaupt ist die Nacht etwas, das Diandra umtreibt: „Ich trinke nicht viel Alkohol, aber ich liebe die Stimmung. Weil sie so ehrlich ist, so rau. Man merkt, was die Menschen gerne wären. Oder was sie verstecken. Das erzeugt bei mir Bilder und Geschichten. Ich hatte mal eine Zeit, da bin ich jede Woche zusammen mit einem Freund nach Duisburg gefahren ins Pulp. Und hab mich einfach hingesetzt und die Leute beobachtet.“ Auch auf der Waldhausener Straße gibt es allerlei zu sehen. Seit der Gründungssitzung 2009 ist die 27-Jährige Mitglied und engagiert sich im Blauen Haus und im Atelier. Über die Anfänge berichtet Diandra: „Mit einem Schlag warst du von Menschen umgeben, die Bock auf Kunst, Kultur und Musik hatten.“ Neben dem Studium in Bielefeld hilft sie deshalb im Atelierbetrieb und organisiert seit 2013 die Akustik Session im Blauen Haus. Sie strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie über ihr Projekt spricht: „Meine Jam Session ist das Wohnzimmer. Wir sind manchmal zu viert und haben Abende, an denen wir uns vor allem unterhalten. Das sind dann Gespräche mit Leuten, die total unterschiedlich sind. Manchmal sind wir aber auch zwanzig Leute und es ist so laut, dass einem fast die Ohren platzen. Das ist cool. Das macht es für mich aus.“

„Ich find mich manchmal spießig“

Die Begegnung mit Menschen ist es, die Diandra auch in ihrem Job als Mentorin für Soziales und Gesundheitswesen fasziniert. Im Rahmen ihres Studiums verbrachte sie viel Zeit in Bethel. „Das ist ein krasser Teil von Bielefeld“, sagt sie, und fährt fort: „Da laufen ganz viele Menschen mit Behinderung rum. Es wird ganz anders miteinander gelebt. Das hat mir beigebracht, Leute nicht in Schubladen zu schmeißen. Und dass es völlig cool und normal ist, wenn Menschen mit Behinderung in Restaurants arbeiten und wie einfach das umzusetzen ist.“ Diandra selbst passt auch in keine Schublade und bemerkt selbstkritisch: „Ich erfahre gerade so viele Sachen über mich. Ich find mich manchmal so spießig.“ Jemand, der seine Kreativität auf so unterschiedliche Art auslebt und so einen offenen Geist hat, ist allerdings alles andere spießig. Das beweist auch Diandras außergewöhnlicher Stil, den sie selbstironisch beschreibt. Frage: „Wie würdest du deinen Stil beschreiben?“ Diandra: „Unten offen. Oh Gott, das hört sich unanständig an. Ich trage fast nie Hosen. Und ich mag halt gerne auffallen. Aber nicht genug, um das zu tragen, was alle mögen.“ Sie schwärmt von 50er Jahre-Mode, von Paketen, die ankommen und darauf warten, ausgepackt zu werden und von Ebay. Auf ihre leuchtenden Haare angesprochen, verrät sie: „Die habe ich schon mindestens sechs Jahre. Ich war vorher immer das Mädchen, das zwischen den ganzen Punks stand und die Haare hellblond hatte. Ich habe alles ausprobiert außer Schwarz. Aber ich glaube, das bin ich. Witzigerweise sprechen mich sehr viele Rentnerinnen an und fragen, von welcher Marke mein Haarton ist.“ Soviel sei verraten: Die Farbe ist von L’Oréal. Wer mehr von Diandras Stil, ihren feinen Gedanken und Beobachtungen lesen möchte, sollte dringend auf aussergewoertlich vorbeischauen. Auch auf Facebook.

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