Uwe „John“ Born, Musiker

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Uwe mit Blick nach vorn, Foto: Sascha Hölterhoff

„Privat am Anschlag“

Kennengelernt habe ich Uwe, der als Sänger und Songwriter den Vornamen „John“ trägt, in Viersen. Bei einem Songslam im Käffchen verzauberte er mit seiner Stimme, Texten vom Aufbruch und sehr feinem Gitarrenspiel. Im Herbst lud ich ihn dann zu einem Interview mit Flammkuchen zu mir nach Hause ein. Im Gegenzug hatte der Musiker seine Gitarre im Gepäck. Der 41-Jährige, den es inzwischen mit seiner Familie nach Glehn verschlagen hat, lacht viel und sitzt mit wachen Augen auf der Couch. Als wir uns treffen, ist Baby Nummer drei unterwegs. Seit Ende Oktober ist die kleine Frida nun auf der Welt. Familie Born ist zu fünft. Einer der Gründe für die Auszeit, die sich der Musiker gerade gönnt: „Ich war privat ein bisschen am Anschlag. Außerdem brauche ich auch mal wieder eine kreative Pause, so dass Output kommt. Ich habe in den letzten Jahren über 100 Auftritte gemacht. Neben der Arbeit und neben der Familie. Aber hat Spaß gemacht“, berichtet Uwe lachend.

Von Tomaten und kölschen Liedern

Lustig findet der Musiker auch, wenn Leute nicht wissen, ob sie ihn nun Uwe oder John nennen sollen. Privat ist er, „ganz klar, Uwe“. Mit dem Namen huldigt er schlicht seinen Helden – den Johns namens Lennon und Frusciante. Ab 2012 war der Sänger und Gitarrist neben seiner Arbeit im Vertrieb als Solokünstler unterwegs. Mal mit Musikern, mal allein mit seiner Gitarre. Als Highlight nennt er unter anderem den Auftritt als Vorband von Klaus „Major“ Heuser, dem ehemaligen Gitarristen von BAP, vor ausverkauftem Haus. Mit 15 Jahren startet Uwe mit der Musik. „Eigentlich recht spät“, sagt er. Den Grund dafür erfahre ich erst später. Zunächst erzählt er von seinen Anfängen als Sänger in einer Schülerband. Als Karaokesänger geht es weiter. Der Musiker wagt es sogar, bei der Kölner Institution Linus‘ Talentprobe mitzumachen. „Da bin ich Dritter geworden. Das war krass, vor tausend Leuten zu singen. Wenn jemand schlecht ist, werfen die Zuschauer mit Tomaten oder singen kölsche Lieder.“

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Der Mann mit Mütze. Foto: Roland Fulde

„Immer noch süchtig“

Nach diesem Erfolg geht es für Uwe munter weiter: „Ich habe dann irgendwann doch mal Gesangsunterricht genommen. Hier und da ein paar Gitarrenstunden.“ Die erste Klampfe kauft er sich mit 21 Jahren. Über das Spielen sagt er: „Es gibt ja viele in meinem Alter, die die Gitarre nicht mehr anfassen. Ich bin immer noch süchtig.“ Das verrät auch der Tagesablauf des gelernten Einzelhandelskaufmanns: Jeden Morgen von sechs bis sieben Uhr, vor der Arbeit, übt der 41-Jährige. Nebenher singt er in einer Blues-Band. Auf die Frage, ob er ehrgeizig sei, sagt er: „Eher geradlinig.“ Dazu gehört das Üben am Morgen: Aufstehen, Kaffee, Gitarre. Fingerstyle-Blues und besondere Pickings stehen auf dem Programm. Trotz Auftrittspause – aufhören könnte er nie, macht er mit Nachdruck klar: „Ich brauche das. Wie die typischen Zocker. Die hängen an ihren Konsolen, ich an meiner Gitarre.“

„Gitarre auf Reisen“

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Beruf: Account Manager, Foto: Martin Müllner

Themen seiner Lieder sind „das Leben, die Liebe, die Dummheit der Menschen“. Songideen kommen ihm an den verschiedensten Stellen. „Mir fallen manchmal Songstrukturen im Auto ein. Dann fahre ich auf den Parkplatz und schreibe sie auf. So ist ‚Der Moment gehört mir‘ entstanden.“ Prompt spielt Uwe auf meiner Couch los. Klingt nach Fahrtwind, persönlichen Einblicken und guter Laune. Als Account Manager, also Außendienstler im Vertrieb, ist der Mann mit Mütze tatsächlich öfter innerhalb Deutschlands unterwegs. Auf seiner Facebookseite hat er deswegen auch die Rubrik „Gitarre auf Reisen“ eröffnet. Das Saiteninstrument kommt stets mit. Zum Runterkommen am Abend empfiehlt er außerdem die Serie Nashville. (Kleine Anmerkung meinerseits: Diese habe ich inzwischen übrigens selbst angetestet und verschlungen. Soviel vorab: Es geht um Musik. Und Dramen. Und Liebe. ♥)

„Scheiß Kindheit“

Fragt man Uwe nach seinen Wünschen, ist die Antwort bescheiden: „Ich sage nicht, in fünf Jahren möchte ich da oder dort sein. Ich bin nur ehrgeizig im Hinblick darauf, ein glücklicher Mensch zu sein. Dazu gehört für mich einfach Weiterentwicklung. In der Familie, als Musiker oder im Beruf. In dieser Reihenfolge.“ Selbstverständlich ist das Glücklich-Sein für Uwe nicht immer gewesen. Während unseres Gesprächs wird klar, dass er sich seinen Status Quo mühsam erarbeitet hat. „Ich hatte eine scheiß Kindheit“, sagt er. „Es war richtig hart.“ Seine Mutter sei eine „sehr naive Person“ gewesen, erklärt er. Diese geriet immer an die falschen Männer. „Der eine war Alkoholiker. Der andere ein richtiges Schwein, der sie auch geschlagen hat. Mit zehn habe ich das dann nicht mehr ausgehalten. Von meinem zehnten bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr war ich im Jugendhaus am Steinberg.“

„Liebe ist angeboren“

Die Entscheidung, im Heim aufzuwachsen, trifft Uwe allein. Und bereut sie nie. Zu seinen Erziehern hat er heute noch Kontakt. Die Zeit im Jugendhaus beschreibt er als „absolut positiv.“ Eine Flucht aus dem Nicht-Aushaltbaren. Gefehlt hat es ihm an nichts – auch wenn er keine Mutterliebe erfahren hat. Uwe meint: „Ich glaube nicht, dass ich dadurch ein schlechterer Vater bin. Ich glaube, Liebe ist angeboren.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen, finde ich. Und bin beeindruckt. Stolz ist Uwe auch ein wenig: „Für den Start, den ich hatte, habe ich doch ein bisschen was auf die Kette gekriegt.“ Oder auch: ziemlich viel. Danke, Uwe, für deine Offenheit und das wunderbare Konzert im Anschluss.

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Privatkonzert auf der Couch. Eine Ehre! Foto: menscheningladbach
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