Kurzinterview: Paul Sonn

Paul Sonn
Paul Sonn, Foto: privat

 

Vor einiger Zeit schrieb mich Paul Sonn an. Der 68-Jährige nutzt seinen Ruhestand, um in Eigenregie Geschichten aus seinem Leben aufzuschreiben. Dabei produziert der Mann mit der textilen Vergangenheit in Fließbandgeschwindigkeit. In ebensolchem Eiltempo entstehen auch seine Kinderbücher. Worum es darin geht und welche Rolle eine rosa Wolke für die Völkerverständigung spielt, hat er im Interview verraten. 

 

Genau wie Mönchengladbach hast Du eine textile Vergangenheit. Magst Du mir mehr darüber erzählen?

Da mein Vater bereits als Webmeister bei der Gladbacher Wolle arbeitete, schlug ich als Vierzehnjähriger, der gerade aus der Volksschule kam, ebenfalls eine textile Laufbahn ein. Ich entschied mich für eine Lehre als Tuchmacher, um dann meinen weiteren erfolgreichen Weg in der Textilindustrie zu bestreiten. Über den zweiten Bildungsweg holte ich die Fachhochschulreife nach und habe, nachdem ich die Meisterprüfung ablegte habe, noch vier Semester Textiltechnik studiert. Später habe ich mich mit einer Textilagentur selbstständig gemacht und über zwanzig Jahre für einen hochwertigen italienischen Weber Stoffe an führende Konfektionäre in Deutschland vermittelt.

Wie bist Du zum Schreiben und Zeichnen gekommen?

Wie die Jungfrau zum Kind. Unsere Kinder waren der Ansicht, dass ich und wir so viel erlebt hätten und es auch für für die Nachwelt interessant sei, etwas über unser Leben zu erfahren. Und so habe ich mich am 29. August 2011 hingesetzt und angefangen, mein erstes Buch zu schreiben. Ich schrieb wie ein Besessener und meine Erinnerungen überschlugen sich. Ohne vorher etwas zu notieren, schrieb ich einfach drauf los und hatte nach sechs Wochen 264 Seiten zusammen. Zeitgleich habe ich angefangen, mein erstes Kinderbuch zu schreiben und passend zu den Geschichten die Bilder kindgerecht zu zeichnen. Anders zeichnen kann ich auch nicht.

Wann hast Du Dein erstes Buch veröffentlicht und worum ging es?

Im Frühjahr 2012 habe ich mein erstes Buch, „Gerade deshalb, die Kurve habe ich trotzdem geschafft“ im Eigenverlag veröffentlicht. Eine Art Familiensaga. Wobei das zweite Buch über meine Kinder-und Jugendzeit in den fünfziger und sechziger Jahren sofort folgte. Nachdem einige Zeitungen sehr positiv darüber berichteten, rannte man mir mehrere Wochen lang fast die Bude ein. Unter den Rückmeldungen, die ich bekam, befanden sich mehrere LeserInnen, die mit dem Stadtteil MG-Holt gar nichts an der Backe hatten, sich aber durch meine Erlebnisse ebenfalls an ihre Kinder- und Jugendzeit erinnerten. Das war auch genau mein Anliegen.

Welche Geschichten erzählst Du heute in Deinen Büchern?

Heute schreibe ich fast ausschließlich Kinderbücher. Meine erste Serie über die fünfjährigen Zwillinge Jakob und Johanna, die hoch oben in den Bergen auf einem Bauernhof mit ihrer Familie leben, ist sehr gut angenommen worden. Mir lag dabei besonders eine rheinische Schreibweise am Herzen. Anschließend folgten die Geschichten von „Paulchen + Paulinchen“, die auf einer rosa Wolke lebend, Kinder auf der ganzen Welt besuchen. Sie lassen sich vom Wind treiben und dort, wo sie Kinder sehen und deren Geschichten erfahren wollen, sagen sie einen Zauberspruch auf. Die rosa Wolke hält dann an. Ein Zauberkoffer, der den Kindern ermöglicht, überall die gleiche Sprache zu sprechen, wird geöffnet. Dieses Kinderbuch wurde auf der Buchmesse 2015 in Frankfurt von einem Verlag vorgestellt. Was für ein tolles Gefühl! Als meine Heimatstadt Mönchengladbach von einer Künstlerin (Rita McBride, Anm. menscheningladbach) sieben Esel aus Bronze geschenkt bekam, die auf dem Sonnenhausplatz stehen, kam mir die Idee, dass die Protagonisten Paulchen und Paulinchen durch Zufall ihre Heimatstadt besuchen. Die Esel wurden ein großer Bestandteil meines nächsten Kinderbuches, das Ende 2016 erschienen ist.

Was ist als nächstes geplant?

Kinderbuch Nummer fünf. In diesem Buch fliegen Paulchen und Paulinchen mit ihrer rosa Wolke von Frankreich kommend über die hohen Berge und entdecken durch Zufall den Bauernhof, wo Jakob und Johanna, aber auch ihre zwei weiteren Geschwister Matilda und Klara – übrigens meine beiden Enkelkinder – ihr Zuhause haben. Alle Kinder erleben zwei wundervolle Tage, nicht nur auf dem Bauernhof. 

Wie kann man sich die Entstehung der Bücher vorstellen?

Das kann ich nur schwer beantworten, da ich mir bis heute nie Gedanken darüber gemacht habe, was, wie und worüber ich genau schreibe. Ein Konzept kenne ich ebenfalls nicht. Bei mir ist es so, dass ich mich an den Computer setze und anfange zu schreiben. Ob es ein Kinderbuch, ein Roman, oder Zeitgeschichte ist. Und so kann es manchmal nur sechs Wochen dauern, oder, wenn die Geschichten von mir illustriert werden etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Welches ist Dein liebster Ort in Mönchengladbach und warum?

Da gibt es einige schöne und sehenswerte Orte. Gerne sitze ich aber auch am Sonnenhausplatz im Café Hoffmanns und beobachte die Kinder, die die sieben Esel ganz toll finden und auf ihnen reiten können. Dort ist bis Oktober auch eine Ausstellung meiner Bilder zu sehen.

Was wünschst Du Dir für die Stadt? Und für Dich?

In den letzten Jahren hat sich meine Heimatstadt mehr als gemausert. Allen kann man es aber nicht recht machen. Ich finde Mönchengladbach großartig und wohne sehr gerne hier. Natürlich hinkt der Vergleich mit Düsseldorf oder anderen Großstädten gewaltig. Ich persönlich wünsche mir vor allem Gesundheit. Und dann wird es sicherlich das eine und andere Buch geben. Worüber ich schreiben werde? Keine Ahnung.

Paul Sonns Illustrationen sind bis Oktober im Café Hoffmanns am Sonnenhausplatz zu sehen.

 

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