Myriam Topel, Fotografin

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Myriam Topel in ihrem Studio, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach

„Wie eine Geisteskranke gearbeitet“

Bereits bei meinem ersten Interview für den Blog erzählte mir Luisa, wie vielseitig kreativ ihre Kollegin Myriam Topel ist. Ich kannte die Fotografin bis dahin nur von sehr netten Mails, die wir in regelmäßigen Abständen in Sachen Greta- oder Claus-Markt ausgetauscht hatten. Die Märkte veranstaltet sie, zusammen mit Nicole Schlürensauer, bereits seit 2008. Vor gut zwei Wochen durfte ich die quirlige 39-Jährige, die von allen My (ausgesprochen Mü) genannt wird, das erste Mal persönlich treffen und ihr jede Menge Fragen stellen. An der Wohnungstür begrüßt mich zunächst Myriams Freund André und nimmt mich in Empfang. Kurz darauf stürmt auch die blonde Frau in die Wohnung. Noch bis kurz vor unserem Treffen liefen die Vertragsbesprechungen für den diesjährigen Standort des Claus-Markts, den SMS Businesspark. „Eigentlich wollte ich doch Schnittchen machen“, ärgert sich Myriam und kocht mir sofort einen sehr leckeren Yogi-Schokoladen-Tee. Ich frage sie, wie sie eigentlich in der Kreativbranche gelandet ist. „Weil meine Mama wollte, dass ich was Vernünftiges mache, habe ich eine Ausbildung im Reisebüro gemacht. Ich bin gelernte Reiseverkehrskauffrau“, erzählt sie. Dann jedoch fällt ihr während der Ausbildung ein Sprachreisekatalog in die Hände, und Myriam fasst einen Entschluss: „Ich wollte immer schon nach Australien reisen. Dann habe ich während meiner Ausbildung wie eine Geisteskranke nebenher gearbeitet und mir das nötige Geld zusammengespart.“ Viereinhalb Monate bleibt sie in Down Under, lernt die Sprache, bereist das Land und stellt fest: „Ich muss was Kreatives machen.“

„Ich brauche die Emotionen“

Wieder in Mönchengladbach angekommen, entscheidet sie sich für einen Neustart. Myriam folgt dem Rat einer Freundin, die als Tänzerin am Theater arbeitet, und bewirbt sich für ein Praktikum beim Theaterfotografen. „Fotografie hat mich schon immer interessiert“, sagt sie. Ihre Bewerbung hat Erfolg: Ein Jahr lernt sie am Theater, hängt ein weiteres Praktikum bei einem Fotokünstler und beim Film dran und lernt so verschiedene Bereiche kennen. 2004 macht sie sich selbstständig. Zunächst darf sie noch das Studio ihres ehemaligen Chefs im Theater nutzen, „was großartig war“. Vier Jahre später dann sucht ihr Kumpel Ulf einen Standort für seinen Skateboard-Shop. Die Ladenfläche reicht für Zwei, Myriam bezieht ihr erstes eigenes Studio in der Goethestraße. Inzwischen ist sie bereits seit sieben Jahren dort. „Beim Fotografieren steckst du unfassbar viel von dir selber rein. Diese Akkus musst du auch wieder aufladen. Ich mit mir alleine vorm Rechner ist dann Meditation“, beschreibt sie die verschiedenen Facetten ihrer Arbeit. Nach ihren Lieblings-Motiven gefragt, antwortet die 39-Jährige wie aus der Pistole geschossen: „Menschen.“ Und fügt hinzu: „Ich brauche die Emotionen.“ Eine Ausnahme macht die Gladbacherin aber in regelmäßigen Abständen – für Poppy.

 

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Poppy auf Madeira, Foto: Myriam Topel

„Alles muss sitzen“

Poppy stand schon auf dem Hollywood-Stern von Marlene Dietrich, trägt mal knappe, mal pompöse Outfits, guckt meist sehr ernst – und ist ziemlich gelenkig für eine Puppe. Wie Myriam auf die Idee kam, eine gelenkige Barbie fotografisch in Szene zu setzen? „Eine Zeit lang bin ich super gerne alleine in den Urlaub gefahren. Dann verband sich das so. Ich habe die Puppe genommen und egal vor welchen Szenarien fotografiert. Anfangs dilettantischer. Aber irgendwann habe ich das auf die Spitze getrieben.“ Inzwischen sucht die Fotografin einzelne Outfit-Teile aus und schickt der portugiesischen Schneiderin ihres Vertrauens („Sie ist eine wahre Künstlerin.“) Wunschkleider, die diese dann originalgetreu umsetzt. Selbstverständlich ist Poppy auch als Model auf den Greta- und Claus-Plakaten zu sehen. „Im Prinzip ist das Produktfotografie“, sagt Myriam, und erklärt mir: „Wenn du bei einer Puppe eine Momentaufnahme machst und ein Haar hängt ihr vors Gesicht, dann ist das nicht so einfach wegzuretuschieren wie bei einem Menschen. Alle Arme, die Haare, der Kopf und das Kleid müssen vernünftig sitzen.“ Auf Madeira durfte Poppy einmal mehr ihr Können zeigen. Passend zum diesjährigen Seemannsthema von Claus.

„Mega-Glücksgriff“

Das Motto des winterlichen Markts war in diesem Jahr weniger das Problem. Vielmehr suchten Nicole und Myriam verzweifelt nach einer Location. Das TiN (Theater im Nordpark), der Veranstaltungsort des Vorjahres dient inzwischen als Herberge für Flüchtlinge, auch alle anderen Optionen erledigten sich schnell: „Selbst die Kaiser-Friedrich-Halle ist zu klein. Event-Hangar und Kunstwerk. Alles zu klein“, sagt Myriam. Nach einer kurzen Phase der Verzweiflung, eilte dann die Rettung herbei: „Herr Jansen hat die SMS-Halle aus dem Hut gezaubert“´, strahlt die 39-Jährige und bezeichnet den Mann von der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach als „persönlichen Superliebling“ der beiden Organisatorinnen. Nachdem sie die Veranstaltung 2008 zunächst als Dreiergespann mit Myriams Nachbarin Desiree Rose begannen, planen Nicole und Myriam inzwischen als Duo. Die Märkte erfordern inzwischen eine Menge Organisation, wie Myriam erzählt: „In Teilen im Jahr hast du zwei Jobs, komplett.“ Deshalb hat sich Desi aus dem Veranstalter-Part zurückgezogen, kümmert sich aber nach wie vor um die kreative Gestaltung der Flyer und Plakate. Ihre Markt-Partnerin Nicole nennt sie einen „Mega-Glücksgriff“ und erklärt die Rollenverteilung: „Sie ist der Finanzminister und ich bin primär für die Ausstellerbetreuung zuständig.“ Das System funktioniert. Waren es 2008 gerade einmal 18 Aussteller („und drei davon waren wir“) im Kolpinghaus, stellen heute „eher 140 als 130“ Kreative ihr handgemachten Spielsachen, Accessoires, Schmuck- oder Möbelstücke aus. Die Grundidee basiert auf dem Holy Shit Shopping aus Berlin. Die Deko und die familiäre Atmosphäre haben sich jedoch längst als Alleinstellungsmerkmale von Greta und Claus herauskristallisiert. Angebote aus anderen Städten lehnen Nicole und Myriam übrigens beharrlich ab: „Das kommt für uns nicht in Frage. Claus und Greta wohnen hier.“ Überhaupt hat sich für die Fotografin in letzter Zeit in Gladbach einiges gewandelt: „Wenn du dich vor ein paar Jahren noch allein auf weiter Flur gefühlt hast, alle haben geschimpft und du hast dir den Mund fusselig geredet, ist es heute halt ‚Gagong‘.“ Mit einem Klopfen auf ihr Herz zitiert Myriam damit das Herzklopfen aus Dirty Dancing. Mein Herz geht auf. Gagong.

Der Claus-Markt findet dieses Jahr am 12. und 13. Dezember im SMS Businesspark statt.

Sollte schon jetzt jemand eine Idee für eine tolle Location 2016 (ab 2000 m², in Mönchengladbach) haben – bitte meldet euch bei Myriam und Nicole.

 

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Torsten „Knippi“ Knippertz, Stadionsprecher bei Borussia Mönchengladbach 

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Stadionsprecher, Schauspieler und Moderator Torsten „Knippi“ Knippertz, Foto: Myriam Topel*
„Sauwohl“

Während mein Tee vor sich hindampft, kommt Torsten „Knippi“ Knippertz ins Van Dooren. Bereits im vergangenen Jahr durfte ich den großgewachsenen 45-Jährigen in der Kulturküche interviewen. Heute stehen wieder viele Fragen auf meiner Liste. Los geht es also: Geboren und aufgewachsen ist der Stadionsprecher in Mönchengladbach, erzählt er mir: „Dann habe ich eine kurze Runde gedreht. Ein paar Jahre in Köln, ein paar Jahre in Berlin und München. Seit ungefähr acht Jahren wohne ich wieder hier.“ Zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter lebt Torsten am Schillerplatz und fühlt sich „sauwohl“. Mit 26 beginnt er seinen Ausflug durch Deutschland, absolviert Stationen wie Radio Köln, EinsLive oder Radio Energy München. Außerdem ist er in Serien wie „Unser Charly“ oder „Mord mit Aussicht“ als Schauspieler zu sehen. Im kommenden Jahr spielt er einen FIFA-Pressesprecher im Kinofilm „Der 90 Minuten Krieg“. Regelmäßige Moderationen für n-tv, SPORT 1 und die Kulturküche stehen in seinem Wochen- und Monatsplan. „Das Fußballerische richtet sich natürlich nach dem Spielplan von Borussia Mönchengladbach“, sagt er. Wenn man ihn fragt, welche seiner Aufgaben ihm am meisten Spaß macht, kommt die Antwort prompt und mit einem großen Lächeln im Gesicht: „Herzensmäßig ist Borussia ganz weit vorne, zusammen mit der Schauspielerei.“

„Isch bin bereit“

1999 beginnt „Knippi“ als Stadionsprecher am Bökelberg. Ein WG-Kumpel überredet ihn damals mit den Worten: „Du bist Gladbach-Fan, du kannst drei Sätze geradeaus reden. Bewirb dich doch.“ Gesagt, getan. Nach einem Treffen mit dem Pressesprecher, den Torsten „über drei Ecken“ kennt, ist die Sache klar. Er löst Carsten Kramer ab, „der heute im Marketingvorstand von Borussia Dortmund sitzt.“ Nach zwei Jahren als Bökelberg-Sprecher pausiert Torsten aus beruflichen Gründen, dreht seine Runde durch Deutschland. Als 2006 Matthias Opdenhövel als Stadionsprecher aufhört, bekommt er den wichtigen Hinweis von einem Fan. Er schreibt dem VfL eine Mail mit nur einem Satz: „Isch bin bereit.“ Eine gute Entscheidung, sich Richtung Heimat zu orientieren: Bei der Stadioneröffnung 2004 lernt er seine große Liebe kennen, mit der er heute in Eicken wohnt. Nach ein paar Jahren Fernbeziehung entschließt er sich für die Rückkehr nach Mönchengladbach, wie er ruhig erzählt. Hier und da wird Knippi, der immer wieder ins lustige Niederrheinische verfällt, ganz ernst. Das ist auch der Fall, wenn er über seine Aufgabe im Stadion spricht: „Ich sitze direkt am Spielfeldrand und bekomme die Reaktionen hautnah mit. Das ist natürlich ein echtes Geschenk für jemanden, der Fußball liebt.“

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Im Stadion eher deeskalierend: Knippi, Foto: Lars Henning Schröder*
„Borussia hat mich geheilt!“

Sein erstes Stadionerlebnis kann er noch genau beschreiben: „Bei meinem ersten Spiel 1979 haben sie gegen den HSV gespielt. 1:1. Aber es war, auch wenn Borussia nicht gewonnen hat, ein Wahnsinnserlebnis. Da war einer in der Kurve, der hatte Krücken dabei. Und als das Tor für Gladbach fiel, schmiss er die Krücken weg und rief: ‚Borussia hat mich geheilt!‘ Das fand ich als Neunjähriger total faszinierend. Bis ich dann mitbekommen habe, dass er das bei jedem Spiel gemacht hat.“ Beim SC Hardt und beim SC Rheindahlen spielt Torsten in der Jugend. Bei den Senioren wieder beim SC Hardt. „Das ist mein Verein und mein Heimatort, in dem ich aufgewachsen bin“, sagt er. „Zu mehr als Bezirksliga hat es aber nie gereicht“, erzählt Knippi. Dennoch hat er sein Hobby zum Beruf gemacht. Am Spielfeldrand muss der 45-Jährige sich an das vom DFB herausgegebene Handbuch für Stadionsprecher und Platzansager halten. Eigens dafür wurde für die deutschen Fußballsprecher aller Himmelsrichtungen eine Schulung initiiert. Seitdem findet ein regelmäßiger Austausch statt: „Der Stadionsprecher von St. Pauli hat vor drei Jahren eine Initiative gestartet und alle Stadionsprecher angeschrieben, wie denn die einzelnen Spieler ausgesprochen werden. Daraufhin hat sich dann ein E-Mail-Verteiler gebildet. Jetzt ist geplant, dass wir uns in der Winterpause in Berlin mal auf ein Bierchen treffen.“ Allen gemein ist das Ziel der Deeskalation: „Zum Beispiel steht im Handbuch, dass man nicht sagen soll: ‚Wir begrüßen unseren heutigen Gegner‘, sondern ‚Wir begrüßen unseren heutigen Gast‘.“ Im BORUSSIA-PARK sind die Rollen klar verteilt zwischen Stadionsprecher Knippi und Sicherheitssprecher Herrmann Schnitzler, wie Torsten erzählt: „Herrmann ist dafür zuständig, wenn es ernst wird.“ So wie am vergangenen Samstag, als die Schweigeminute verlesen wurde.

Freudentaumel in der Spielertraube

Bei aller Deeskalation und dem Respekt vor den Gästen: „So ganz kann man die Emotionen trotzdem nicht abschalten.“ Nach seinen Lieblingsanekdoten von der Bank gefragt, antwortet er: „Im Jahr, als Borussia abgestiegen ist, war ein sehr wichtiges Spiel gegen Werder Bremen. Kurz vor Schluss fiel das zwei zu zwei, das noch Hoffnung gegeben hat. Da war ich so im Jubel, dass ich mich auf einmal auf dem Spielfeld im Sechzehner nahe der Spielertraube wiedergefunden habe.“ Die Folge ist ein Rüffel vom vierten Offiziellen und ein Eintrag in den Spielbericht. Neben dem Freudentaumel hat Knippi aber auch schon wahrsagerische Fähigkeiten bewiesen. So kündigt er den Wechsel eines ehemaligen Spielers folgendermaßen an: „Hier kommt die Nummer 16, der Torschütze des nächsten Tores – Rob Friend.“ Nach ein paar Sekunden trifft dieser tatsächlich. Apropos Wahrsagen: Wie sieht es eigentlich mit Zukunftswünschen aus, persönlich und für die Borussia? – „Dass ich gesund bleibe. Dass meine Familie gesund bleibt. Das ist das Allerwichtigste. Und dass ein Mittel erfunden wird, das man ohne Bedenken anwenden kann für mehr Haarwuchs. Und wenn man mal in Utopien schwelgen darf, wünsche ich mir noch irgendeinen Titel, gerne auch einen großen.“ Da wünsche ich mit. Und drücke die Daumen für das Zaubermittelchen! 🙂

Falls ihr noch mehr über Knippi erfahren wollt – hier geht es zu seiner Homepage. 
* Normalerweise knipse ich die portraitierten Menschen in Gladbach selbst. Das Licht im Van Dooren war allerdings so gemütlich, dass mein bescheidenes Equipment nicht mitgemacht hat. Deshalb diesmal sehr hübsche Profi-Fotos! Danke, Myriam und Lars!

Alex Kiourtzidis, Van Dooren

Alex an einem original Van Dooren-Klavier in seinem Laden
Alex an seinem original Van Dooren-Klavier, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
Nicht der klassische Typ Chef“

Am Wochenende gehe ich oft ins Van Dooren. Egal ob fürs Frühstück mit Joghurt und frischen Früchten oder doch auf ein Club-Sandwich – das Essen ist bombig gut, die Stimmung entspannt und der Laden eine Perle in jeder Hinsicht: Hohe Decken, riesige Fenster, kuschelige Überwürfe auf den Stühlen und Zeitschriften aller Art laden zum gemütlichen Zurücklehnen ein. Verantwortlich für das wunderbare Café am Schillerplatz ist Alexandros Kiourtzidis, kurz Alex genannt. Als ich mich mit ihm auf eine Maracuja-Schorle und einen Kaffee zum Interview hinsetze, macht der Wahl-Gladbacher mit griechischen Wurzeln mir eines schnell klar: „Ich bin hier zwar die leitende Person. Aber dahinter steht ein ganzes Team. Von der Küche bis hin zu der Dame, die sauber macht.“ Die zwölf Van Dooren-Mitarbeiter haben eine ganz besondere Verbindung, so der 39-Jährige: „Ich betrachte das Team mittlerweile als Familie. Das hat nicht nur damit zu tun, dass meine Mutter und mein Bruder hier mitwirken und arbeiten. Ich bin einfach nicht der klassische Typ Chef.“ Ob Spülen, Abräumen oder Servieren – der dunkelhaarige Mann mit Bart ist sich für nichts zu schade. Und das aus ganz einfachen Gründen: „Weil es mir Spaß macht, weil es mein Laden ist und weil ich auch ein bisschen zeigen will, wie es geht.“

Unfaires Spiel“

Der hübsche Innenraum des Van Dooren
Der hübsche Innenraum des Van Dooren, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
So handhabt Alex es nun seit über drei Jahren. Im Juli 2012 zieht er nach Mönchengladbach, einen Monat später eröffnet er das Van Dooren. Geboren und aufgewachsen ist er in Düsseldorf. Sein Vater und seine Mutter, erzählt er, hätten schon immer in der „Gastro“ gearbeitet. Im Alter von 16 Jahren zieht es ihn nach Griechenland, in die Heimat seiner Eltern. Ich frage ihn, ob seine Rückkehr nach Deutschland mit der Krise zusammenhängt und erzähle von einem Fernsehbeitrag, den ich neulich gesehen habe. Dieser dokumentiert, wie ältere Menschen auf den Markt stürmen, um heruntergefallene Waren einzusammeln. Alex nickt und sagt: „Das habe ich nicht nur in einer Doku gesehen, sondern sehr oft live miterlebt. 2012 in Athen. Dieses ganze Spiel, das auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen wird, ist unfair.“ In seinem damaligen Job als Innenarchitekt kommt er deswegen nicht weiter, sieht etliche Freunde arbeitslos werden. Warum es ihn ausgerechnet nach Mönchengladbach verschlagen hat, beantwortet er schnell: „Wegen des Objekts. Als ich das Gebäude und den Laden gesehen habe, habe ich mich direkt verliebt.“

Der Schillerplatz ist am Van Dooren“

Mit eben dieser Liebe richtet Alex den Laden ein, nutzt das helle Licht und den großen, offenen Raum. Ob Tische aus Teekisten oder rot leuchtende Glühbirnen – wer sich umsieht, merkt, dass Alex sein Handwerk als Innenarchitekt versteht. Er sagt: „Der Raum an sich hat sehr viele positive Vibes. Die werden weitergeleitet an mich, das Personal und die Gäste.“Auf der Suche nach einem geeigneten Namen wurde er ebenfalls schnell fündig: Bis in die Achtziger Jahre beherbergte die Kaiserstraße 132 ein Klavier- und Flügelgeschäft – namens Van Dooren. „Ein paar Tage vor der Eröffnung haben wir die Leuchttafel angebracht. Die Fenster waren noch zugeklebt und wir haben hier gearbeitet. Da kam eine ältere Dame rein und erzählte, dass all das sie an ihre Kindheit erinnerte. Früher schaute sie sich hier als kleines Mädchen Flügel und Klaviere an.“ Sowohl die Wiederbelebung des Namens als auch das Konzept wurden dankbar im Viertel aufgenommen. Nach der Devise „immer alles frisch“ stehen individuelle Gerichte, besondere Kaffeebohnen und qualitativ hochwertige Kuchen – selbstgebacken von Alex‘ Mama – auf der Speisekarte. Klar, dass das Van Dooren inzwischen viele Fans hat: „Das Beste, was ich gehört habe, kam vom Sohn eines befreundeten Paares. Als er gefragt wurde, wo der Schillerplatz ist, sagte er: Der Schillerplatz ist am Van Dooren. Das fand ich extremst cool.“

Nicht alles ist immer Gewinn“

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Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
Während wir am Glastisch neben der Eingangstür sitzen, kommt eine große, blonde Frau zur Tür herein. „Hallo Nadine“, sagt Alex – und dreht sich zu mir um: „Noch eine Nadine.“ Der Gastgeber ist aufmerksam, hat für jeden ein offenes Ohr. „Ich wollte immer mit meinen Händen arbeiten und mit Menschen zu tun haben“, erzählt der unkonventionelle Chef, und fügt hinzu: „Das ist nicht jedermanns Sache, aber es ist meine.“ Im Van Dooren ist jeder willkommen. Am Abend zuvor, erzählt der 39-Jährige, hat er sein Café für ein Abendessen mit Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Eine Gemeinschaftsaktion mit der Friedenskirche. Das ganze Team arbeitete ehrenamtlich, viele Nachbarn brachten noch Essen zum bereits vorbereiteten Büffet mit. „Nicht alles ist immer Gewinn“, sagt der 39-Jährige, und wirft das Wort „values“ in den Raum: Prioritäten und Werte sind dem Eickener wichtig. Zum Beispiel, indem er denen, die nicht viel haben, einen schönen Abend bereitet – ohne eigene Lobhudelei. Nach eigenen Wünschen gefragt, antwortet er bescheiden: „Du, ich bin zufrieden.“ Eine Sache fällt ihm dann aber doch ein: „Zu meinem vierzigsten Geburtstag mache ich mir ein Geschenk. Und zwar, dass ich mit dem Rauchen aufhöre.“ Bis zum 12. November hat er damit Zeit, nach 20 Jahren Raucherdasein. Welche Methode wohl hilft? „Einfach einen Tag nach meinem Geburtstag keine Zigaretten mehr kaufen. Ich habe keine Methode, es wird hart. Aber es wird klappen.“ Ganz bestimmt. Meine Daumen sind fest gedrückt!

Marion Überschaer, Spitzenrheydterin

Marion Überschaer vor ihrem "Lieblings-Leerstand"
Marion Überschaer vor ihrem „Lieblings-Leerstand“, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach

„Verliebt in diese Stadt“

Bei strahlendem Sonnenschein kommt mir Marion Überschaer auf dem Rheydter Marktplatz entgegen. „Ich bin ziemlich groß und habe kurze braune Haare“ verriet sie mir vor unserem Treffen. Das konnte ich mir gut merken: Ich bin nämlich ziemlich klein und habe lange braune Haare. Dank ihrer Beschreibung, und weil sie fröhlich winkend auf mich zukommt, erkenne ich Marion gleich. Die schlaksige Frau gibt mir die Hand und strahlt. Auf verschiedenen Kanälen bin ich auf ihre Masterarbeit aufmerksam geworden: Die schreibt sie über Leerstände in Rheydt, der Wahlheimat der gebürtigen Freiburgerin. „Die Idee, eine Masterarbeit daraus zu machen, kam mir morgens um sechs Uhr. Und normalerweise bin ich Langschläfer. Aber plötzlich war ich wach und – zack – war die Idee da“, sagt sie und klatscht beim „Zack“ in die Hände. Seit über zehn Jahren lebt Marion in Mönchengladbach. Nach ein paar Schritten bleibt sie kurz stehen: „Mir geht es wie dir. Ich habe mich in diese Stadt verliebt.“

„Hin und her und her und hin“

Die heute 40-Jährige begann mit Mitte Zwanzig ihre „große Umzugsphase“. Vom Breisgau aus führte ihr Weg über München nach Mönchengladbach. Nach einem Bibliothekatsreferendariat in Bayern suchte sie nach Jobs in ganz Deutschland. Die Vitusstadt war ihr vorher – zumindest geographisch – relativ unbekannt: „Ich wusste gar nicht, wo die Stadt liegt. Ganz früher als Kind habe ich mir vorgestellt, dass Mönchengladbach ein Vorort von München ist. Deswegen fand ich es lustig, dass ich genau von München nach Mönchengladbach gezogen bin.“ Hier angekommen kreierte Marion ihre ganz eigene Methode, sich mit der Stadt bekannt zu machen: „Eine Weile habe ich ein Projekt betrieben namens ‚Jedes Wochenende ein Stadtteil‘. Dabei habe ich mir Mönchengladbach mit dem Rad erschlossen. Ich schnappte mir meine Karte und beschloss: Heute fahre ich nach Wickrath. Ich bin dann nur in diesem Stadtteil rumgegurkt. Immer hin und her und her und hin.“ Touren durchs Grüne macht Marion auch heute noch, allerdings kennt sie sich inzwischen bestens aus. Fährt durch die Parks und an der Niers entlang, lebt nahe der Innenstadt von Rheydt und genießt es, „so zentral zu wohnen“. Neben der Lage und der Verbundenheit zur Stadt spricht übrigens auch der finanzielle Aspekt für ihre neue Heimat: „Jetzt wohne ich in einer Drei-Zimmer-Wohnung, die genauso viel kostet wie meine Ein-Zimmer-Wohnung in München. Das ist unglaublich“, sagt sie.

Marion Überschaer (hier mit ihrer fantastischen Tasche aus Freiburg)
Marion – mit ihrer fantastischen Tasche aus Freiburg, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach

„Auf andere Weise schön“

Marions beruflicher Einstieg klappte ebenfalls gut: Achteinhalb Jahre arbeitete sie als stellvertretende Bibliotheksleiterin an der Hochschule Niederrhein. Dann entschloss sie, einen lange gehegten Traum nicht länger zu verschieben: „Längere Zeit dachte ich, ich würde später noch einmal studieren. Aber das ist eigentlich Quark. Man weiß ja nicht, was später ist. Mir ging es gut, ich hatte genug gespart und den Kopf dafür, mir alles zu merken.“ Vor zwei Jahren begann sie deshalb – ebenfalls an der Hochschule Niederrhein – die Studiengänge Kulturpädagogik und Kulturmanagement zu studieren. Für Kultur interessiert sich Marion aber nicht nur passiv: Auf ihren ausgiebigen Radtouren hat sie ihre Kamera immer dabei. Sie stellte bereits Bilder des JHQ aus (das Gelände durfte sie mit Sondergenehmigung fotografieren), hält seit 2010 die Rheydter Leerstände auf Bildern fest und war mit ihrem Masterthema bei der Schauzeit unter dem Titel „work in progress“ vertreten. „Ich finde, bestimmte Themen sollten gesehen werden“, sagt sie und wird auf einmal ganz ernst. Besonders wichtig ist ihr, dass die Gladbacher ihre Heimat nicht verkennen: „Es ist sehr bedauerlich, dass manche Leute ihre eigene Stadt nicht mögen. Mir hat noch keiner, der von außen kam, gesagt: Du bist aber in eine hässliche Stadt gezogen, Marion. Was ich oft gehört habe, ist: Freiburg ist bestimmt viel schöner als Mönchengladbach. In gewisser Weise vielleicht, aber Gladbach ist auf andere Weise schön. Freiburg ist mir mit den Jahren ein bisschen langweilig geworden. Hier hat man viel mehr Abwechslung.“

„Keine Edelboutique“

Wir schlendern über den Marktplatz und bewegen uns Richtung Fußgängerzone. „Hey fein, da hat jemand etwas abgerissen“, freut Marion sich, als wir an einem ihrer Flyer vorbeikommen. Bis zum 30.9. befragt sie die Rheydter nach ihrer Meinung zu leerstehenden Gebäuden. „Welche Gründe sehen Sie für den Leerstand von Rheydter Geschäften?“ fragt sie beispielsweise. Außerdem gibt sie die Möglichkeit, Wünsche zu äußern. Was aber sind die Gründe? „Da gibt es unendlich viele, die sich gegenseitig hochschaukeln. Einfach gesagt, es fängt blöd an und wird dann immer schlimmer.“ Marion öffnet ihre Mappe und lässt mich einen Blick auf die Ergebnisse werfen. 108 Teilnehmer haben zum Zeitpunkt unseres Interviews an der Umfrage teilgenommen. „Geringe Kaufkraft“ und „hohe Mietpreise“ werden genannt. Ein Nutzer schreibt schlicht „langweilig“. Die Rheydterin ist aber überzeugt: „Es ist tatsächlich so, dass wir in Rheydt ein sehr gutes Angebot haben. Eine gute Abdeckung pro Einwohner. Die Bewohner von Rheydt haben aber eher unterdurchschnittlich viel Geld. Eine Edelboutique würde sich hier nicht halten können.“ Wenn man Marion zuhört, wird klar: Die Edelboutique braucht in Rheydt auch niemand. Denn Gladbach ist lebens- und liebenswert. Marion hält die kleinen und großen Besonderheiten der Stadt fest. In Fotos, neuerdings auch auf ihrem Blog und in ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Eine wahre Spitzenrheydterin!

Deshalb meine Empfehlung: Schaut doch mal auf

Marions Blog

und

Marions Homepage vorbei.

Luisa Sole, Fotografin

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Luisa mit einem ihrer Schätzchen, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
„Wenn es Leidenschaft ist, fühlt es sich nicht an wie Arbeit“

Mitten im Gründerzeitviertel, in unmittelbarer Nähe des Café Kontor, leben Luisa Sole und André Sole Bergers. Vor gut zwei Jahren habe ich zusammen mit meinem damaligen Herzensmann in der Vorgänger-Wohnung der beiden musiziert. Damals stand MG Kitchen TV auf dem Plan. Heute bin ich hier, um Luisa zu interviewen. Sie begrüßt mich mit einer Umarmung und den Worten „Es ist ein bisschen unordentlich.“ Das fällt überhaupt nicht auf – ihr Auge für Inneneinrichtung und Schönes dafür einmal mehr. Die helle Küche und die Bühne für den Kitchen TV-Kanal liegen sich direkt gegenüber. Dazwischen blitzen liebevolle Details hervor: Ein „Cucina“-Schild ziert den Türrahmen, schwarz-weiße, putzige Zuckerdöschen stehen auf dem Tisch, eine Fotowand zeigt lachende Gesichter. Neben dem Rock’n’Roll heißt es für Luisa oftmals – innehalten. Die Zahnarzthelferin und Küchenmusik-Gastgeberin hat sich inzwischen als Fotografin einen Namen gemacht. Lulugraphie heißt ihr Label, nach ihrem Spitznamen Lulu. Wir nehmen am Küchentisch Platz. Luisa gießt mir Wasser ein und fragt zögerlich, ob sie sich eine Zigarette anzünden dürfe. Sie ist etwas nervös, trägt ihre Haare hochgesteckt und hat sich dramatisch schön geschminkt. „Wenn ich den ganzen Tag am PC sitze, brauche ich das manchmal“, sagt sie und atmet bedächtig den Rauch aus.

Zu Gast in der Cucina
Zu Gast in der Cucina, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
„Wer eine Spiegelreflexkamera hat, kann schöne Bilder machen?“

Als erstes interessiert mich, wie die Mönchengladbacherin das alles unter einen Hut bekommt. Sie antwortet entschlossen: „Man sagt, wenn es Leidenschaft ist, fühlt es sich nicht an wie Arbeit.“ Die Halb-Italienerin erklärt weiter: „Andere gucken abends Fernsehen, ich sitze am PC und mache Bilder fertig.“ Acht Hochzeiten hat Luisa von März bis September als Fotografin begleitet, außerdem hielt und hält sie Junggesellinnen und Familien auf ihren charakteristischen Bildern fest. Neben dem Vollzeit-Job als Zahnarzthelferin, wohlgemerkt. MG Kitchen TV drehen die Sole Bergers außerdem einmal im Monat. Den Anstoß für ihre größte Leidenschaft gab ihre eigene Hochzeit vor vier Jahren. Damals engagierte sie eine Freundin für die Fotos: „Ich dachte damals: Wer eine Spiegelreflexkamera hat, kann schöne Bilder machen. Wir haben auch ein paar schöne Fotos. Aber eine runde Geschichte, die haben wir nicht.“

Foto: Lulugraphie/Luisa Sole
Foto: Lulugraphie/Luisa Sole
Eine Braut ist immer schön. Selbst im Kartoffelsack“

Auf der Hochzeit eines befreundeten Paares kam deshalb erstmals ihre neue Nikon-Kamera zum Einsatz. Die Resonanz im Anschluss war groß, die Freunde füllten gleich ein ganzes Bilderbuch mit Luisas Momentaufnahmen. Die ersten Kniffe zeigte ihr eine Freundin. Aber den Großteil dessen, was Luisa heute an der Kamera kann, brachte sie sich selbst bei. Undenkbar, bemerke ich, dass sie und ich vor gut zwei Jahren gemeinsam an einem Foto-Anfängerkurs teilgenommen haben. Die 31-Jährige winkt ab und lächelt: „Ich habe mich immer etwas bescheidener eingeschätzt. Der Fotokurs war aber nicht schlimm. Sondern einfach die Bestätigung, dass ich die Sachen bis dahin richtig gemacht habe.“ Auch heute gibt es bei der Sole’schen Fotografie keine halben Sachen. Bei Hochzeiten trägt sie zwei Kameras am Körper, zwei hat sie im Auto. Außerdem bringt sie stets Reserve-Speicherkarten mit. Wer nun meint, Luisa sei vor lauter Fotografie inzwischen gegen den Hochzeitszauber immun, irrt: „Oft muss ich weinen und verstecke mich hinter der Kamera.“ Diese Empathie zeigt sich auch in Luisas Bildern. Angetan hat es ihr vor allem eine der beiden Hauptpersonen des großen Tages. Die 31-Jährige ist sich sicher: „Eine Braut ist immer schön. Selbst im Kartoffelsack.“ Wer Luisas Fotos kennt, weiß, auch ein Kartoffelsack täte ihrer fein beobachteten Momentaufnahme keinen Abbruch. Sanft und verträumt wirken die Abbildungen unterschiedlichster, immer gut aussehender Menschen. Ihre Linie beschreibt Luisa folgendermaßen: „Fotos bearbeite ich immer so, dass sie älter wirken. Weil ich das so schön finde. Das hat etwas mit Vergangenheit zu tun. Ein Bild muss gar nicht so realistisch aussehen.“

Luisas Eltern. Foto: Lulugraphie/Luisa Sole
Der beste Pizzabäcker der Stadt und seine Karrierefrau: Luisas Eltern. Foto: Luisa Sole/Lulugraphie
„Mit mir im Reinen“

Apropos Vergangenheit: Seit sie ein Baby ist, wohnt Luisa in Mönchengladbach. „Ich hatte immer das Bedürfnis, hier zu sein“, sagt sie. Ihre Lieblingsorte in der Vitusstadt nennt sie prompt: „Zu Hause, bei Oma, bei Mama, auf der Terrasse und im Zorbas. Das Zorbas ist wie ein zweites Zuhause.“ Neben den Freunden im Gründerzeitviertel spielt auch die Familie eine große Rolle im Leben der Tausendsassa-Frau. Ihr Vater war früher, wie sie erzählt „der beste Pizzabäcker der Stadt“, ist Perfektionist und Ästhet („Das habe ich vererbt bekommen“). Ihre Mutter sei auf ihre Art eine Karrierefrau. „Eine gute Mutter“, fügt sie hinzu. Obwohl oder gerade weil die sechsköpfige Familie Sole nie viel Geld zur Verfügung hatte, war die Stimmung stets positiv: „Wir waren dadurch sehr kreativ. Manchmal macht es auch Spaß, nicht so viel zu haben. Dann kommt man auf lustige Ideen.“ Unterstützung, Kreativität und Liebe standen an erster Stelle. Positiv ist Luisa bis heute, ihre Talente machen nicht nur ihr selbst, sondern auch allen anderen Spaß. Beim Zuhören geht einem das Herz auf. Kein Wunder, dass Luisas herzliche Art ihr Türen spielerisch öffnet. Außerdem unterstützt sie Ehemann André. Nach Zukunftswünschen gefragt, antwortet Luisa bescheiden: „Eigentlich finde ich mein Leben momentan perfekt. Ich war noch nie so mit allem im Reinen wie jetzt. Ob es Freunde sind, oder beruflich oder mit mir selbst. Ich hab die Balance.“ Schöner kann ein Gespräch nicht laufen. In diesem Sinne: Auf die Leidenschaft(en)!

Wer mehr von Luisas herrlichen Bildern sehen möchte, klickt hier.

September-Vorschau: Leerstände und volle Kanne Musik

Leerstand-Flyer in der Bahnhofstraße
Leerstand-Flyer in der Bahnhofstraße, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach

Marion Überschaer

Vor einer guten Woche habe ich mein erstes Interview mit der supernetten Wahl-Mönchengladbacherin Marion Überschaer geführt. Schon im Vorfeld war ich so aufgeregt, dass ich beim Verfassen der Betreffzeile die Autokorrektur meines Handys vollkommen unterschätzte – Marion erhielt eine Mail mit dem Betreff „Unterwiesen-Anfrage für Blog menscheningladbach“ von mir.

Sie bewies Humor, sagte dennoch zu und erzählte mir von ihrer spannenden Masterarbeit zum Thema „Leerstände in Rheydt“. Getroffen haben wir uns – selbstredend – in Rheydt. Soviel vorab: Marion wird der zweite „Mensch in Gladbach“ sein, den ich euch vorstelle. Hier könnt ihr allerdings schon einmal fleißig bei ihrer Umfrage mitmachen:

https://www.soscisurvey.de/meinrheydt

Nur keine Skepsis: Marion studiert an der Hochschule Niederrhein Kulturpädagogik sowie -management und ist absolut vertrauenswürdig. Außerdem hat jeder, der teilnimmt, die Möglichkeit, anonym zu bleiben. Versprochen!

Luisa hinter ihrer Kamera, Foto: Luisa Sole / Lulugraphie
Luisa hinter ihrer Kamera, Foto: Luisa Sole / Lulugraphie

Luisa Sole

Die zweite Person, die ich Anfang September interviewen werde, ist gleichzeitig die erste, die von meinem Gladbach-Portrait-Blog erfahren hat. Luise Sole, bestens bekannt als Fotografin und Mitbegründerin/Mitglied von MG Kitchen TV, wird deshalb die erste menscheningladbach-Portraitierte sein. Das ist besonders schön, weil sie mich sowohl auf meinem Weg als Musikerin (ja, Musik mach ich heimlich ebenfalls) als auch als Schreiberin immer begleitet hat und wir uns – obwohl uns unsere Wege privat nicht so oft kreuzen – nie aus den Augen verloren haben. Einerseits, weil ich Luisas Arbeit toll finde und von ihren Bildern und von den stetigen Fortschritten, die MG Kitchen TV macht, immer wieder begeistert bin (Herzblut rules!). Andererseits, weil ich finde, dass sie eine sehr liebe, aber auch total coole Frau ist!

In diesem Sinne freue ich mich schon jetzt riesig, euch diese zwei Gladbacher Menschen und ihre spannenden Projekte im September vorstellen zu dürfen!

Herzlich,

Eure Nadine

Menschen in Gladbach

Borussiapark
Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
Auf Niederrheinisch klingt Mönchengladbach fast wie Menschen in Gladbach: Mönschengladbach.

Mein Name ist Nadine und vor über drei Jahren habe ich mich verliebt. In einen Mann aus Mönchengladbach. Der Mann hat sich inzwischen aus meinem Leben verabschiedet. Geblieben ist die Liebe zur Stadt. Genau genommen habe ich nämlich auch gleich die Bewohner und die ganze Fußballmannschaft Borussia Mönchengladbach ins Herz geschlossen. Die Spieler waren zu diesem Zeitpunkt vor allem damit beschäftigt, zu verteidigen. Manchmal drückten sich zehn Männer am eigenen Tor herum und der Rückstand war dennoch unumgänglich. So viel Anstrengung und Hartnäckigkeit fand ich sympathisch und herzzerreißend zugleich. In diesem Jahr, 2015, werden die Borussen in der Champions League spielen. Und ich starte meinen Blog.

Im Gegensatz zu meinem zweiten Heimatort*, Düsseldorf, hat die Vitusstadt etwas, das hier manchmal fehlt: rohe Herzlichkeit. Während auf der Kö und in Unterbilk Menschen oberflächlich Bling Bling zur Schau stellen, geht es in Gladbach zum Teil grob zu. Neulich habe ich beispielsweise beobachtet, wie am Hauptbahnhof ein Dieb kläglich versuchte, einem Mann die Einkaufstasche zu stehlen. Er scheiterte am Taschenbesitzer, der wild entschlossen an seinem Besitz festhielt, stolperte kurz und lief dann zum nächstbesten Taxi. Irgendwie typisch für das Klischee des finanziell heruntergekommenen Mönchengladbach.

Versteht mich nicht falsch: Ich finde Kriminalität nicht gut und wünsche der aufblühenden Vitusstadt von Herzen, dass sich die vielen Leerstände in der Innenstadt und in Rheydt bald in Wohlgefallen auflösen. Dass das Minto zur Aufwertung der Hindenburgstraße führt. Dass tolle Aktionen wie Schauzeit dauerhaft erfolgreich sind. Dass weiterhin die Musik von MG Kitchen TV durch die Nation schallt und zeigt, dass ein Traum es auch aus der kleinsten Stadt heraus schafft, solange man mit Herzblut dabei ist. Und vor allem wünsche ich mir, dass die rohe Schönheit Gladbachs, die so viele Menschen erkannt haben, auch nach außen sichtbar wird.

In den vergangenen drei Jahren habe ich fantastische, nette, liebe und engagierte Gladbacher kennengelernt. Und die werde ich euch hier nach und nach vorstellen.

Herzlich,

Eure Nadine


*Falls ihr euch fragt, welche Stadt meine eigentliche Heimat ist: Geboren bin ich in Mannheim. Ebenfalls eine kleine, aufmüpfige Stadt mit vielen dunklen Ecken. Aber selbstverständlich mit Herz.