Alex Kiourtzidis, Van Dooren

Alex an einem original Van Dooren-Klavier in seinem Laden
Alex an seinem original Van Dooren-Klavier, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
Nicht der klassische Typ Chef“

Am Wochenende gehe ich oft ins Van Dooren. Egal ob fürs Frühstück mit Joghurt und frischen Früchten oder doch auf ein Club-Sandwich – das Essen ist bombig gut, die Stimmung entspannt und der Laden eine Perle in jeder Hinsicht: Hohe Decken, riesige Fenster, kuschelige Überwürfe auf den Stühlen und Zeitschriften aller Art laden zum gemütlichen Zurücklehnen ein. Verantwortlich für das wunderbare Café am Schillerplatz ist Alexandros Kiourtzidis, kurz Alex genannt. Als ich mich mit ihm auf eine Maracuja-Schorle und einen Kaffee zum Interview hinsetze, macht der Wahl-Gladbacher mit griechischen Wurzeln mir eines schnell klar: „Ich bin hier zwar die leitende Person. Aber dahinter steht ein ganzes Team. Von der Küche bis hin zu der Dame, die sauber macht.“ Die zwölf Van Dooren-Mitarbeiter haben eine ganz besondere Verbindung, so der 39-Jährige: „Ich betrachte das Team mittlerweile als Familie. Das hat nicht nur damit zu tun, dass meine Mutter und mein Bruder hier mitwirken und arbeiten. Ich bin einfach nicht der klassische Typ Chef.“ Ob Spülen, Abräumen oder Servieren – der dunkelhaarige Mann mit Bart ist sich für nichts zu schade. Und das aus ganz einfachen Gründen: „Weil es mir Spaß macht, weil es mein Laden ist und weil ich auch ein bisschen zeigen will, wie es geht.“

Unfaires Spiel“

Der hübsche Innenraum des Van Dooren
Der hübsche Innenraum des Van Dooren, Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
So handhabt Alex es nun seit über drei Jahren. Im Juli 2012 zieht er nach Mönchengladbach, einen Monat später eröffnet er das Van Dooren. Geboren und aufgewachsen ist er in Düsseldorf. Sein Vater und seine Mutter, erzählt er, hätten schon immer in der „Gastro“ gearbeitet. Im Alter von 16 Jahren zieht es ihn nach Griechenland, in die Heimat seiner Eltern. Ich frage ihn, ob seine Rückkehr nach Deutschland mit der Krise zusammenhängt und erzähle von einem Fernsehbeitrag, den ich neulich gesehen habe. Dieser dokumentiert, wie ältere Menschen auf den Markt stürmen, um heruntergefallene Waren einzusammeln. Alex nickt und sagt: „Das habe ich nicht nur in einer Doku gesehen, sondern sehr oft live miterlebt. 2012 in Athen. Dieses ganze Spiel, das auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen wird, ist unfair.“ In seinem damaligen Job als Innenarchitekt kommt er deswegen nicht weiter, sieht etliche Freunde arbeitslos werden. Warum es ihn ausgerechnet nach Mönchengladbach verschlagen hat, beantwortet er schnell: „Wegen des Objekts. Als ich das Gebäude und den Laden gesehen habe, habe ich mich direkt verliebt.“

Der Schillerplatz ist am Van Dooren“

Mit eben dieser Liebe richtet Alex den Laden ein, nutzt das helle Licht und den großen, offenen Raum. Ob Tische aus Teekisten oder rot leuchtende Glühbirnen – wer sich umsieht, merkt, dass Alex sein Handwerk als Innenarchitekt versteht. Er sagt: „Der Raum an sich hat sehr viele positive Vibes. Die werden weitergeleitet an mich, das Personal und die Gäste.“Auf der Suche nach einem geeigneten Namen wurde er ebenfalls schnell fündig: Bis in die Achtziger Jahre beherbergte die Kaiserstraße 132 ein Klavier- und Flügelgeschäft – namens Van Dooren. „Ein paar Tage vor der Eröffnung haben wir die Leuchttafel angebracht. Die Fenster waren noch zugeklebt und wir haben hier gearbeitet. Da kam eine ältere Dame rein und erzählte, dass all das sie an ihre Kindheit erinnerte. Früher schaute sie sich hier als kleines Mädchen Flügel und Klaviere an.“ Sowohl die Wiederbelebung des Namens als auch das Konzept wurden dankbar im Viertel aufgenommen. Nach der Devise „immer alles frisch“ stehen individuelle Gerichte, besondere Kaffeebohnen und qualitativ hochwertige Kuchen – selbstgebacken von Alex‘ Mama – auf der Speisekarte. Klar, dass das Van Dooren inzwischen viele Fans hat: „Das Beste, was ich gehört habe, kam vom Sohn eines befreundeten Paares. Als er gefragt wurde, wo der Schillerplatz ist, sagte er: Der Schillerplatz ist am Van Dooren. Das fand ich extremst cool.“

Nicht alles ist immer Gewinn“

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Foto: Nadine Beneke / menscheningladbach
Während wir am Glastisch neben der Eingangstür sitzen, kommt eine große, blonde Frau zur Tür herein. „Hallo Nadine“, sagt Alex – und dreht sich zu mir um: „Noch eine Nadine.“ Der Gastgeber ist aufmerksam, hat für jeden ein offenes Ohr. „Ich wollte immer mit meinen Händen arbeiten und mit Menschen zu tun haben“, erzählt der unkonventionelle Chef, und fügt hinzu: „Das ist nicht jedermanns Sache, aber es ist meine.“ Im Van Dooren ist jeder willkommen. Am Abend zuvor, erzählt der 39-Jährige, hat er sein Café für ein Abendessen mit Flüchtlingen zur Verfügung gestellt. Eine Gemeinschaftsaktion mit der Friedenskirche. Das ganze Team arbeitete ehrenamtlich, viele Nachbarn brachten noch Essen zum bereits vorbereiteten Büffet mit. „Nicht alles ist immer Gewinn“, sagt der 39-Jährige, und wirft das Wort „values“ in den Raum: Prioritäten und Werte sind dem Eickener wichtig. Zum Beispiel, indem er denen, die nicht viel haben, einen schönen Abend bereitet – ohne eigene Lobhudelei. Nach eigenen Wünschen gefragt, antwortet er bescheiden: „Du, ich bin zufrieden.“ Eine Sache fällt ihm dann aber doch ein: „Zu meinem vierzigsten Geburtstag mache ich mir ein Geschenk. Und zwar, dass ich mit dem Rauchen aufhöre.“ Bis zum 12. November hat er damit Zeit, nach 20 Jahren Raucherdasein. Welche Methode wohl hilft? „Einfach einen Tag nach meinem Geburtstag keine Zigaretten mehr kaufen. Ich habe keine Methode, es wird hart. Aber es wird klappen.“ Ganz bestimmt. Meine Daumen sind fest gedrückt!

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Veröffentlicht in Stadt

6 Gedanken zu “Alex Kiourtzidis, Van Dooren

  1. Ähm, mal eine Frage: das klingt ja alles ganz euphorisch, aber ist das das gleiche Van Dooren, in dem ich am letzten Sonntag war? Würde mich wundern, denn:
    obwohl wir bei unserer Tischreservierung (6 Personen) ausdrücklich unsere Telephonnummer hinterlassen haben, durften wir erst vor Ort erfahren, dass der Koch krank war. Im Laufe mehrerer Bestellvorgänge stellte sich dann tröpfenweise heraus, dass vielleicht ein Viertel der auf der Karte angepriesenen Speisen tatsächlich zu kriegen war. Wir blieben trotzdem, und das war ein Fehler. Eine Stunde Wartezeit. Eine Bedienung, bei der das Wort muffelig noch schmeicheln würde. Das Vergnügen, zuzusehen, wie so ziemlich alle Tische um uns herum ihr Essen vor uns bekommen, obwohl sie nach uns eingetroffen sind. Bei einer Frau nebenan meinen wir sogar einen Käse erkannt zu haben, den es angeblich gar nicht gab. Und dann kam unser Essen nicht mal gleichzeitig. Eine von uns konnte erst anfangen, als alle andern schon fertig waren. Konsequentes Ignorieren seitens der bereits erwähnten Bedienung mit der Folge, dass keiner von uns mehr als ein Getränk genossen hat. Vorsichtiges Beschweren bei dem Mann hinter der Theke. Reaktion: …ach…ach was… Zu guter letzt dann noch vom Geschäftsführer himself die Information, dass seine Gäste immer sehr zufrieden sind. Tja, dann liegt es wohl an uns…?
    Jedenfalls: Van Dooren? Nö.

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    1. Hallo Daniel, das klingt nun gar nicht schön. Tut mir leid, dass ihr im Van Dooren solchen Ärger hattet. Ich kann nur sagen: Wir haben immer sehr gute Erfahrungen gemacht und ich gehe stark davon aus, dass es eine Ausnahmesituation war. Umso ärgerlicher natürlich, dass ihr noch vorausschauend eure Telefonnummer hinterlassen habt. Habe Alex, den, wie du schreibst, ‚Geschäftsführer himself‘, über deine Beschwerde informiert. Alles Weitere liegt in seiner Hand. Vielleicht noch zu deiner Info: Wir gehen seit gut drei Jahren ins Van Dooren – und ich bekomme keinerlei Geld für meine Beiträge. Ich bin einfach nur Fan und gehe ziemlich viel und gerne essen. (Habe also auch schon reichlich negative Erfahrungen gemacht) Sollte ich dir einen falschen Eindruck vermittelt haben, entschuldige bitte! Nur eins noch: Dass man euch aus Boshaftigkeit einen Käse vorenthalten hat, kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Ich habe lange in der Gastronomie gearbeitet und weiß, welche Flut auf einen hereinprasseln kann. Und sei gewiss: An manchen Tagen geht einfach alles schief. Ohne böse Absicht. In diesem Sinne: Herzliche Grüße, Nadine

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